MRSA-Screening

Neue Vergütungsvereinbarung für ärztliche Leistungen

zur Diagnostik und Sanierung von MRSA-Trägern

Die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes soll die Voraussetzungen für die Verhütung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen und resistenten Krankheitserregern verbessern.

Daher wurde in der vertragsärztlichen Versorgung eine Vergütungsregelung für die ambulante Therapie (Sanierung) von MRSA-besiedelten und –infizierten Patienten, sowie für die diagnostische Untersuchung von Risikopatienten geschaffen. Ziel ist es, durch Identifizierung und Sanierung von MRSA-Trägern sowie durch die Behandlung von MRSA-Infektionen die relativ hohen MRSA-Infektionsraten in Deutschland zu reduzieren.

Aus diesem Grund wurde am 1. April 2012 gemäß §87 Abs. 2a SGB V eine Vergütungsvereinbarung für die ärztliche Leistungsabbildung bei der Diagnostik und ambulanten Eradikationstherapie von MRSA-besiedelten und MRSA-infizierten Patienten neu eingeführt.

Dabei wurden neue Leistungen nach den Gebührenpositionen 86770, 86772, 86774, 86776, 86778, 86780, 86781, 86782 und 86784 in den Abschnitt 87.8 außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütungen<aufgenommen

Voraussetzung für die Berechnung von Leistungen dieses Abschnitts ist die, die z.B. nach erfolgreicher Durchführung einer online-Fortbildungszertifizierung ( www.mrsa-ebm.de ) bei der KV beantragt werden kann.

Die Leistungen sind nur bei speziell definierten Risiko-Patienten mit einer MRSA-Kolonisation/MRSA-Infektion sowie bei deren Kontaktperson(en) bis zum dritten negativen Kontrollabstrich (11-13 Monate) nach Abschluss der Sanierungsbehandlung berechnungsfähig.

Ein MRSA-Risikopatient muss in den letzten sechs Monaten stationär behandelt worden sein (mindestens 4 zusammenhängende Tage Verweildauer) und zusätzlich die folgenden Risikokriterien erfüllen:

  • Patient mit positivem MRSA-Nachweis in der Anamnese

und/oder

  • Patient mit zwei oder mehr der nachfolgenden Risikofaktoren:
    • chronische Pflegebedürftigkeit (mindestens Stufe 1),
    • Antibiotikatherapie in den zurückliegenden 6 Monaten,
    • liegende Katheter (z.B. Harnblasenkatheter, PEG-Sonde),
    • Dialysepflichtigkeit,
    • Hautulcus, Gangrän, chronische Wunden, tiefe Weichteilinfektionen

Erfüllt ein Patient die oben genannten Kriterien, so können z.B. für die Erhebung des MRSA-Status aus der stationären Behandlung (GOP 87770), die ambulante Behandlung und Betreuung (GOP86772), die Aufklärung und Beratung (GOP 86774), aber auch für die Abstrichentnahmen zur Bestätigung bzw. zum Ausschluss einer MRSA-Besiedlung (GOP 86780 bzw. 86781) unterschiedliche Gebührenpositionen abgerechnet werden.

Bevorzugtes Material für das MRSA-Screening sind der kombinierte Nasen-Rachenabstrich (Rachen und beide Nasenvorhöfe abstreichen) und ggf. ein Wundabstrich (bei chronischen Wunden, Dekubitus). Sollte bei dem Patienten eine andere Lokalisation (Leiste, Achsel, Stirn-Haar-Ansatz) positiv auf MRSA getestet worden sein, kann auch ein Abstrich dieser Körperregion untersucht werden.

Darüber hinaus können weiterhin MRSA-Untersuchungen auch außerhalb dieser neuen Vergütungsregelung durchgeführt werden. Grundlage dieser mikrobiologisch-diagnostischen Leistungen ist dann das Kapitel 32.3EBM, speziell die GOP 32726.

Daher ist es aus abrechnungstechnischen Gründen zwingend erforderlich, dass auf dem Laborüberweisungsschein mitgeteilt wird, ob es sich bei dem Untersuchungsauftrag um eine Leistung nach Kapitel 87.8 oder 32.3 EBM handelt

Der Auftrag sollte also z.B. lauten:

„MRSA-Screening aus Nasen-Rachenabstrich nach Kapitel 87.8″ 

oder aber unter detaillierter Nennung der GOP „MRSA- Screening aus Nasen-Rachenabstrich nach GOP 86782, ggfs. 86784″.

Nur so kann eine sichere Zuordnung des Untersuchungsauftrages erfolgen.

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