Medizinische Labors stehen selten im Rampenlicht. Aktuell wird aber mehr als deutlich, wie wichtig die Diagnostiker für die Gesundheitsversorgung sind. Dr. Rüdiger Walscheid ist einer der drei Geschäftsführer des Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) für Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologie Koblenz-Mittelrhein, kurz: Labor Koblenz. Mit unserer Zeitung spricht er über die korrekte Vorgehensweise bei Abstrichen und Tests und den Rund-um-die-Uhr-Betrieb in der Viktoriastraße:

Herr Walscheid, erklären Sie uns, was mit einer Probe passiert, die bei einem Arzt, im Krankenhaus, in der Fieberambulanz oder anderen Einrichtungen abgenommen wird …

Im Grunde genommen gibt es hier keine Unterschiede. Die Proben werden entnommen und gesammelt. Hier ist immer zu beachten, dass die Abstriche auf richtige Weise abgenommen werden. Die Proben werden in der Regel zu definierten Zeitpunkten an den Standorten durch einen von uns beauftragten Fahrdienst abgeholt und unter Beachtung der zutreffenden Gefahrgutrichtlinien zu uns transportiert. Hier erfolgt die Probenannahme, -erfassung und –verteilung in die entsprechende Fachabteilung, wo dann der Test durchgeführt wird.

Sie haben von der richtigen Weise gesprochen, wie Abstriche zu nehmen sind. Was ist für Sie der korrekte Weg?

Wir empfehlen zur Diagnostik auf das Coronavirus die Durchführung eines kombinierten Oropharynx /Nasopharynxabstriches.

Das klingt kompliziert. Wie ist da vorzugehen?

Mit dem Abstrich vom Mund kommend die Rachenhinterwand abstreichen – nicht nur die Gaumenmandeln–, danach mit dem gleichen Abstrichtupfer vorsichtig durch die Nase gehen und weiter bis zum Nasen-Rachen-Raum führen. Den Tupfer dort drehen. Den Abstrich danach in die Abstrichhülse überführen, an der Sollbruchstelle brechen und sicher verschließen.

Wie viele Tests auf Corona sind in Ihrem Labor derzeit möglich, und wie lange brauchen Sie, um so einen Test durchzuführen?

Aktuell werden bei uns täglich bis zu 1300 Sars-CoV-2-Proben und 500 Tests auf saisonale Influenza durchgeführt. Die tatsächliche Kapazität ist dynamisch, da wir hieran kontinuierlich arbeiten. Unser Ziel ist es, negative Befunde binnen 24 Stunden nach Eingang der Proben im Labor zu reportieren, was uns bislang auch gelingt. Der Ausschluss einer Infektion ist somit weiterhin verhältnismäßig schnell möglich. Bei einem positiven Test führen wir obligat einen Bestätigungstest durch, dessen Ergebnis wenige Stunden später vorliegt.

Woher kommen Ihre Proben?

Viele Proben erreichen uns aktuell über die Fieberambulanzen in Koblenz, Mayen und Neuwied. Weitere Einrichtungen beispielsweise in Cochem, Bad Kreuznach, Kirchen und Altenkirchen haben oder werden in den nächsten Tagen nachziehen. Für uns ist wichtig, dass diese gut geplant und von vorne herein in Kooperation mit den zuständigen Gesundheitsämtern errichtet werden.

Wer soll sich Ihrer Ansicht nach testen lassen?

Wir möchten auch hier an jeden Einzelnen appellieren, Fieberambulanzen nur unter Rücksprache mit Ihrem Arzt aufzusuchen. Wir müssen mit den vorhandenen Ressourcen haushalten. Bitte suchen Sie eine Fieberambulanz nur auf, wenn Sie der Falldefinition zum Verdacht auf Coronavirus des Robert-Koch-Instituts entsprechende Symptome wie Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit, aber auch Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost aufweisen und in den vergangenen 14 Tagen mit einem bestätigten Coronainfizierten direkten Kontakt hatten oder Rückkehrer aus einem Risikogebiet sind.

Wie schnell nach einem Test erhält ein Getesteter sein Ergebnis?

Wie viel Zeit nun zwischen der Befundübermittlung unsererseits und der Aufklärung des Patienten durch das Gesundheitsamt oder unseren niedergelassenen Kollegen vergeht, liegt nicht mehr in unserer Hand. Als diagnostischer Partner beispielsweise der Fieberambulanzen in Koblenz und Mayen haben wir in den vergangenen Tagen in enger Abstimmung mit den anderen Leistungserbringern und unter Federführung der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz eine leistungsstarke digitale Infrastruktur aufgebaut, wodurch der Patient schneller an seinen Befund kommt. Unsererseits entwickeln wir zeitgleich ein appbasiertes System, welches dann auch durch andere Einsender und Patienten genutzt werden könnte. Wir werden hierzu aktuell informieren.

Hat sich das Testverfahren seit Beginn der Pandemie verändert?

Die Diagnostik erfolgt mittels molekularbiologischem Test. Es handelt sich um ein sogenanntes PCR-Testverfahren – zu Deutsch: Polymerasekettenreaktion. Wir weisen einen beziehungsweise mehrere

Genabschnitte des Erregers nach, was sehr empfindlich und spezifisch ist. Die einzelne Untersuchung dauert nur wenige Stunden, kann sich jedoch aufgrund der Probenflut etwas verzögern. Im Vergleich zu anderen Laboren sind wir jedoch sehr schnell mit dem Ziel die Ergebnisse weiterhin innerhalb 24 Stunden nach Eingang des Materials zu liefern. Im nördlichen Rheinland-Pfalz sind wir derzeit als einziges Labor dazu in der Lage, diese Aufgabe zu stemmen. Das Verfahren hat sich seit Beginn der Pandemie nicht verändert.

Wie hat sich das Virus auf ihren Arbeitsalltag ausgewirkt?

Hinsichtlich der Entwicklung der vergangenen zwei Wochen haben wir früh angefangen, stille Reserven zu mobilisieren und Ressourcen zu verschieben, um die Kapazitäten für die Diagnostik auf das Coronavirus in unserem Labor zu maximieren.

Das heißt?

Konkret haben wir zunächst über einen Zweischichtbetrieb nun einen Dreischichtbetrieb für diese fachlich spezielle Diagnostik eingerichtet, sodass wir nun rund um die Uhr für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und für unsere niedergelassenen Einsender und Krankhäuser testen. Die Gerätekapazitäten wurden und werden in den nächsten Tagen auch weiterhin ausgebaut. Die Situation fordert auch uns, aber unsere Mitarbeiter leisten Großartiges.

Bekommen Sie noch alle nötigen Ausrüstungsgegenstände? Gerade Schutzausrüstung soll inzwischen oft Mangelware sein.

Wir haben die epidemiologische Entwicklung genau beobachtet und bereits im Vorfeld der dynamischen Entwicklung in Deutschland vorausschauend Vorräte für unser Personal und die Testmaterialien angelegt. Diese können wir bisher durch unsere guten Kontakte zu den Lieferanten auch in ausreichender Menge gewährleisten.

 

Das Gespräch führte Carsten Zillmann / Rhein-Zeitung Koblenz